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31.10.2018

Schwarzbuch 2018 München-Ettal - Venusgrotte Schloss Linderhof





Die Restaurierung der Venusgrotte auf Schloss Linderhof stellt nicht nur architektonisch eine Herausforderung dar, sondern auch finanziell. Die Kosten für das ehrgeizige und beileibe nicht einfache Projekt stiegen bis jetzt von ursprünglich rund
24 Mio. Euro auf mehr als 33 Mio. Euro an.









München/Ettal. Die 1876 bis 1877 errichtete Venusgrotte, eine künstliche Tropfsteinhöhle im Park von Schloss Linderhof, ist der Höhepunkt der Illusionsarchitektur des Bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. Um die Grotte in verschiedenen Farben künstlich beleuchten zu können, wurde einst eines der ersten Elektrizitätswerke der Welt geschaffen. Die Grundkonstruktion der Grotte besteht aus 1,70 m dicken Kalkbruchsteinwänden und einzelnen Säulen aus Bruchstein und Gusseisen. Der Ein- und Ausgangsbereich ist mit einem Bruchsteingewölbe, die Hauptgrotte mit einem weitgespannten Ziegelmauerwerk überwölbt. Die Gewölbe wurden außen mit flüssigem Teer abgedichtet und anschließend mit Erde überfüllt. Im Laufe der Zeit sind durch eindringendes Wasser und durch Feuchtigkeit, die vom See im Innern der Grotte aufsteigt, erhebliche Schäden entstanden. Durch einen fortschreitenden Korrosionsprozess drohte ein Zerfall der Venusgrotte. Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen waren daher unumgänglich. Dazu teilt das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat mit: „Wegen der Einzigartigkeit und Besonderheit der Venusgrotte war eine besonders lange Planungszeit von neun Jahren mit vielen Untersuchungen und teils experimenteller Vorgehensweise erforderlich (z. B. zur Frage, wie der Korrosionsprozess zum Stillstand gebracht werden kann). Da es keine wirklichen Vergleichsobjekte gibt, konnte nicht auf bewährte Techniken zurückgegriffen werden, die Sanierungsmethodik musste erst entwickelt werden. Somit war zu Beginn der Planung auch keine qualifizierte Kostenschätzung über Kostenflächenarten oder Kubikmeterpreise möglich. Erst nach umfangreichen Bestandserfassungen, Bestandsuntersuchungen, Analysen, Mustererstellungen etc. konnte eine konkrete Restaurierungsplanung erstellt werden. Seriöse Kostenaussagen waren erst mit Abschluss dieser Planung möglich.“


Im Jahr 2014 ging man also von Gesamtkosten in Höhe von rund 24,8 Mio. Euro für das ehrgeizige Projekt aus, welche der Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen des Bayerischen Landtags genehmigt hatte. Dieser musste allerdings im März 2018 einen Nachtrag von 8 Mio. Euro genehmigen. Die Gesamtkosten betragen nunmehr rund 33,2 Mio. Euro. Unter anderem mussten Mehrausgaben durch die komplexe Restaurierung bzw. Rekonstruktion von Ausstattungsgegenständen (zum Beispiel Steinthron, Muschelkahn) in Kauf genommen werden. Baulich bedingte Anpassungen der Ausführungsplanung in der Geometrie des Bauwerks, Zusatzkosten bei der Entsorgung von belastetem Erdmaterial, baulich bedingte Massen- und Ausführungsänderungen und schließlich Lohn- und Materialpreissteigerungen führten zur Verteuerung des Mammutprojekts. Nach Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat werden „zur statischen Ertüchtigung der Säulenkonstruktion voraussichtlich noch zusätzliche bauliche Vorkehrungen erforderlich sein. Die hierfür notwendigen Begutachtungen und ergänzenden Planungen laufen. Die Kosten für die Ausführung der aus statischen Gründen erforderlichen Entlastungskonstruktion für die See-Säule sollen im 1. Halbjahr 2019 in einem 3. Nachtrag dem Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen des Bayerischen Landtags zur Genehmigung vorgelegt werden. Da es keinerlei Vergleichsbeispiele gibt, sind Planung, Kostenermittlung und Bauausführung für alle beteiligten Planer und Firmen „Neuland“ und somit besonders schwierig […] Die Einzigartigkeit der Maßnahme ohne Vergleichsbeispiele und die äußerst komplexe Baugeometrie sind auch im Hinblick auf eine zuverlässige Abschätzung der Kostenentwicklung selbst bei Zugrundelegung der gebotenen Sorgfalt und Expertise aller Beteiligten mit einem Neubauvorhaben in keinster Weise vergleichbar“.

DER BUND DER STEUERZAHLER MEINT
Die Kosten von 33 Mio. Euro werden wohl noch weiter in die Höhe steigen. Ob der Fertigstellungstermin im Jahr 2022 eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Fest steht aber jetzt schon, dass die Steuerzahler die nicht unerhebliche Kostensteigerung schultern müssen.
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