Starnberg - Schwarzbuch 2011
Nach einer europaweiten Ausschreibung hatte der preisgünstigste Plattenlieferant den Zuschlag für rund 365.000,-- € erhalten. Dieses Unternehmen importiert Granit aus China. Man stand unter Zeitdruck und hatte große Sorgen, ob tatsächlich die richtigen Granitplatten geliefert werden. Bei einer verspäteten Fertigstellung – z.B. durch Rücksendung mangelhafter Platten und anschließender Neulieferung – drohte nämlich die Rückzahlung von bis zu 600.000,-- € öffentlicher Fördermittel. Nicht einmal Mustersteine und Musterfotos konnten diese Sorgen vertreiben, also entschied man sich, in China selbst nach dem Rechten zu sehen. Nach dem Besuch von sechs chinesischen Steinbrüchen während des fünftägigen Trips, auf dem der Starnberger Stadtbaumeister von dem Architekten und von einem Vertreter des Plattenlieferanten begleitet wurde, ist man auch „fündig“ geworden. Man hat schließlich die „richtigen“ und passenden Granitsteine vor Ort bestellt. An Kosten für die Chinareise ihres Stadtbaumeisters hatten die Starnberger Steuerzahler 5.371,-- € zu berappen. Als „Nebeneffekt der Reise“ konnte „das ursprüngliche Angebot noch um ca. 10.000,-- € nach unten korrigiert werden“ - das sind nicht einmal drei Prozent Rabatt. Doch war diese Preiskorrektur nur in China möglich? Der Erste Bürgermeister der Stadt Starnberg ist zwar davon überzeugt, „dass nach Abwägung aller Für und Wider die Reise des Stadtbaumeisters zu den Produktions-stätten nach China eben genau der sachgerechten Verwendung von öffentlichen Mitteln gedient hat.“
So bleibt letztlich nur zu hoffen, dass die teuer ausgesuchten Granitplatten den Geschmack aller Starnberger Bürger und Steuerzahler treffen und den neuen Kirchplatz im Herzen Starnbergs tatsächlich zu einem Augenschmaus werden lassen.





