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02.10.2016

Schwarzbuch 2016 - Erlangen- Nürberg


Erlangen-Nürnberg- Neubau Chemikum
Neues Uni-Chemikum wird 35 Prozent teurer
Aus dem Ruder gelaufen sind die Kosten für den Neubau des Chemikums der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Der Neubau wird um rund 35 Prozent teurer als ursprünglich geplant.





Erlangen/Nürnberg.
Der Neubau des sogenannten Chemikums der Naturwissen-schaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander- Universität ist mit rund 10.000 m² Hauptnutzfläche ein hoch spezialisierter Lehr- und Forschungsbau, der höchste arbeitsschutzrechtliche Anforderungen erfüllen muss. In diesem Neubau werden die bisher auf mehrere, den heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr entsprechenden Standorte verteilten Lehrstühle für die Pharmazeutische und Organische Chemie sowie für die Lebensmittelchemie zusammengeführt. Im Juli 2008 ging man für dieses Projekt von einem Gesamtbudget in Höhe von 80 Mio. Euro aus. Die Rohbauarbeiten wurden 2010 begonnen und bis Juli 2011 abgeschlossen. Die Ausbauphase und Installation der technischen Anlagen erstreckten sich bis Ende 2013.
Hauptproblem in der Ausbauphase waren die Folgen der Insolvenz des Planungsbüros für Heizung, Lüftung und Sanitär. Dies führte dazu, dass die bereits entstandenen Störungen der Planungskontinuität und des Bauablaufs nicht mehr aufgefangen werden konnten. Insolvenzbedingte Folgekosten, aber auch konjunktur-bedingte Baupreissteigerungen sowie hochschulspezifische und sicherheitstech-nische Anpassungen im Zusammenhang mit dem präzisierten Anforderungsniveau des Arbeits- und Brandschutzes erhöhten die Gesamtbaukosten im Dezember 2013 auf 91,4 Mio. Euro. Doch damit nicht genug.
Die ab 2014 planmäßig durchgeführten Abnahmen, Funktionstests und Einregulierungen der technischen Anlagen zeigten Störungen in der Laborlüftung, die schließlich bis Juli 2015 behoben wurden.
Der erst dadurch erreichte stabile Betriebszustand ermöglichte die Durchführung von Arbeitssicherheitstests im simulierten Realbetrieb in den Forschungs- und Praktikumslaboren. Erst durch diese Tests wurde die lüftungstechnische Unterversorgung um rd. 21 % als ein weiterer Mangel offenkundig. Unverzüglich eingeschaltete Sachverständige und neue Fachplaner stellten fest, dass die Lüftungsanlagen baulich erweitert werden müssten, um die lüftungstechnischen Mängel zu beheben. So erhöhten sich die Kosten um weitere 16,8 Mio. Euro
• rund 8,3 Mio. Euro für die Erweiterung der Lüftungsanlagen
• rund 3 Mio. Euro Folgekosten wegen Bauzeitverlängerung
• rund 1 Mio. Euro Massenmehrungen wegen fehlerhafter Aus-schreibungen
• rund 1 Mio. Euro nachträgliche Sicherheitsauflagen
• rund 3,5 Mio. Euro Risikosumme noch strittiger Zahlungsforderungen.

Somit ist man schließlich bei Gesamtkosten von 108,2 Mio. Euro für das neue Chemikum angelangt.
Zum Sommersemester 2016 konnten die nicht von den Lüftungsproblemen betroffenen Bereiche wie Hörsäle, Büros und Cafeteria immerhin in Betrieb gehen.
Der Bezug und die Inbetriebnahme der Labore sollen bis zum Wintersemester 2017/2018 erfolgen. Der durch Planungs- und Ausschreibungsfehler entstandene Schaden wurde in maximaler Höhe im März dieses Jahres eingeklagt.
Die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr ist der Auffassung, dass „trotz der im Wesentlichen durch Insolvenz und schwerwiegende Planungsfehler verursachten Verzögerungen und Kostenerhöhungen“ der Neubau des Chemikums „immer noch in einem vertretbaren wirtschaftlichen Rahmen“ liegt.

DER BUND DER STEUERZAHLER SAGT

Selbst ein erfolgreicher Prozessausgang wird nicht darüber hinwegtäuschen können, dass zunächst die bayerischen Steuerzahler die Leidtragenden dieser erheblichen Kostensteigerung sind.
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